Interview vom 27.11.2004 mit Philipp Heerwagen

Hallo Philipp, vielen Dank erst einmal dafür, dass Du Dir die Zeit genommen hast für unser kurzes Interview. Ich verfolge die erste und zweite Bundesliga seit langem und ich habe den Eindruck, dass Du als Torwart der Unterhachinger in den letzten Wochen und Monaten mehr im Mittelpunkt der Presse und der Medien allgemein stehst, als es früher noch der Fall war. Siehst Du das auch so?

Ja, das Gefühl habe ich auch. Ich denke, vielleicht liegt das auch an meiner neuen Homepage, dass das Interesse an mir etwas gestiegen ist. Eigentlich ist das nicht das Entscheidende, sondern wie man selber damit umgeht. Klar ist es schön für jemanden, wenn man gefragt ist bzw. wird, jedoch ist es noch viel besser wenn man in sportlicher Hinsicht gefragt ist und bleibt. Es ist aber gut zu wissen, dass Journalisten merken, dass aus meinem Mund nicht nur kurze Kommandos kommen können, sondern auch ganze Sätze, in denen ich meine ehrliche Meinung sage.

Spürst Du etwas von Deiner gestiegenen Bekanntheit, wenn Du durch Münchens oder Unterhachings Strassen gehst?

Also, in München spüre ich es nicht sehr stark, allerdings kommt es in Unterhaching etwas öfter vor, dass mich Menschen auf der Strasse ansprechen. Vor zwei Tagen war ich zum Beispiel auf der Sparkasse, um meine Kontoauszüge abzuholen, da sprach mich ein wildfremder Mann an, er wünschte mir alles Gute und viel Erfolg für das nächste Spiel. Es melden sich auch wieder viele alte Freunde, zu denen ich länger keinen Kontakt hatte.

Wie gehst Du persönlich mit dieser Aufmerksamkeit um Deine Person um?

Ich versuche einfache so zu bleiben wie ich bin. Bis jetzt ist es ja nicht so, dass mich Leute ständig belagern und mir daheim auflauern. Natürlich erwarten die Fans etwas von mir und wenn das gute Leistung und vielleicht ein wenig „show“ ist, versuche ich das auch zu bieten. Schließlich zahlen die Zuschauer für teures Geld ihre Eintrittskarten.

Es ist sicherlich immer schön, positive Schlagzeilen in den Medien über sich zu sehen, aber es gibt ja auch kritische Stimmen. Verrate mir doch bitte Dein Rezept, wie gehst Du ganz persönlich mit Kritik um und verarbeitest sie?

Tja, ich habe mir angewöhnt, fast keine Zeitung mehr zu lesen. Man darf es allerdings den Berichterstattern nicht übel nehmen, wenn sie negativ schreiben. Oft ist es halt die subjektive Betrachtungsweise der Reporter, die manchmal etwas als sehr negativ sehen, was ich in meiner Position vielleicht gar nicht ganz so schlecht sehe. Man darf ihnen das nicht krumm nehmen. Letzten Endes muss man selber wissen, was gut und was schlecht war und ich weiss das meistens auch und kann daran arbeiten. Auch hier ist das Wichtigste, dass man Profi genug ist, um damit umzugehen.

Philipp, wie ist das eigentlich mit Fanpost? Was sind das so für Briefe, die Dir geschrieben werden?

Ja, ich bekomme Fanpost, allerdings liegt das alles noch absolut im Rahmen des Möglichen, in der Woche bekomme ich zur Zeit so 1 – 2 Briefe. Die meisten davon sind natürlich Autogrammwünsche, ca. 20% wollen ein Paar Torwart-Handschuhe von mir als Souvenir und viele Briefe sind auch von anderen jungen Torhütern, die sich Tipps und Tricks von mir wünschen.

Wer beantwortet diese Briefe?

Das mache ich natürlich selber, ich finde, es ist wichtig, weil diese Menschen wollen ja etwas von mir und nicht von irgendeinem Briefeschreiber.

Philipp, auf Deiner Homepage schreibst Du, dass es ein grosser Traum von Dir ist, einmal nach Japan zu reisen und dass Du das in der nächsten Spielpause gern tun würdest. Ist schon ein Trip nach Japan geplant?

Ja, geplant ist die Reise schon seit langem. Ich habe seit einigen Jahren eine Brieffreundin in Japan, sie war längere Zeit in den U.S.A und studiert jetzt wieder in Japan. Leider hat sich diese Reise immer wieder verzögert, weil entweder sie beschäftigt war oder ich den Trip nicht in meinen Trainings- und Spielplan einbauen konnte. Meine erste Priorität ist nun erstmal der Klassenerhalt unserer Mannschaft, bis dahin denke ich nicht an einen Urlaub in Japan. Ich wünsche mir, dass wir dieses Ziel so schnell wie möglich erreichen und dann werde ich das mit Japan konkret planen.

Wer ist eigentlich in jungen Jahren Dein grosses Vorbild in Sachen Fussball gewesen?

Hm, eigentlich hatte ich in diesem Sinne gar kein ganz grosses Vorbild. Ich kann mich allerdings daran erinnern, dass ich als Kind den Hachinger Torwart bewundert habe und ich irgendwann als Profi das auch machen wollte.

Und heute? Gibt es jemanden, von dem Du Dir bestimmte Sachen abschaust?

Ja, allerdings kann man das an keiner einzelnen Person festmachen. Ich schaue gern internationalen Fussball, Champions-League und vor allem den italienischen und englischen Fussball. Ich versuche, mir bei verschiedenen Torhütern die besten Sachen anzueignen, z.B. die Reaktionsschnelle von Oliver Kahn aber auch das Spielverständnis vom holländischen Torwart Edwin von der Saar.

Wie entspannst Du Dich nach einem anstrengenden Spiel?

Also, zunächst ist es ja als Torwart eine andere Anstrengung als z.B. beim Feldspieler. Ein Feldspieler ist natürlich nach 90 min. Laufen körperlich wesentlich fertiger als ich, der „wartet, dass auf mich etwas zukommt“. Dafür bin ich sicher mental mehr angestrengt als der Rest der Mannschaft. Wichtig nach einem Spiel ist, dass man „kopfmässig runterkommt“. Bei Spielen, die am Abend stattfinden, kann ich das ganz gut bei einem Schluck Bier, allerdings geht mir immer so viel im Kopf rum, dass ich selten vor 2 Uhr in der Nacht ins Bett gehen kann. Nach Spielen am Nachmittag, versuche ich mich immer abzulenken. Insgesamt bleibt mir ein Spiel immer mindestens zwei Tage im Kopf und beschäftigt mich. Da ist es super, dass ich einen sehr guten und erfahrenen Torwart-Trainer habe, der das auch kennt und mit mir alle Aktionen des Spiels bespricht. Das lässt mich dann auch mit dem Spiel abschliessen.

Philipp, ich danke Dir, es war ein wirklich nettes Gespräch und hat mir viel Spass gemacht. Gibt es an dieser Stelle noch etwas, das Du Deinen Fans ausrichten möchtest?

Ja, auf jeden Fall, für die nächsten Spiele würde ich mir wieder die Unterstützung unserer Fans wünschen und mich über reges Zuschauer-Interesse freuen. Es wird keiner unserer Fans bereuen, ins Stadion zu kommen, das kann ich versprechen.

Herzlichen Dank für das Interview, Philipp. Wir, das gesamte Internet-Team Deiner Homepage wünschen Dir und Deiner Mannschaft für die nächsten Spiele alles Gute und viel Erfolg.
Das Gespräch führte Susanne Werner/Redaktion PH.